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Adolf Gröber

Portrait, signiert 1914

Reichstagsabgeordneter
* 1854 Riedlingen
† 1919 Berlin, beerdigt in Weingarten

Adolf Gröber wurde als Sohn des Silberarbeiters und Graveurs Albert Gröber und der Maria Anna Baumann im Hause Weibermarkt 1 geboren. Sein Vater war an der bürgerlichen Revolution 1848 beteiligt und wurde aus diesem Grund auch verurteilt. Er wollte deswegen in die USA auswandern, gab dieses Vorhaben jedoch auf und gründete 1853 ein Geschäft für Zinnartikel und Gravuren. Möglicherweise beeinflussten die Erzählungen des freiheitlich demokratisch denkenden Vaters die politische Entwicklung seines Sohnes Adolf.
 
Er war das einzige Kind. Die Eltern zogen 1859 nach Weingarten um. Dort besuchte Adolf die Volksschule, in Ravensburg das Lyceum und in Stuttgart das Gymnasium. In Tübingen, Leipzig und Straßburg studierte er Rechtswissenschaft und war im württembergischen Justizdienst als Staatsanwalt in Rottweil, Neresheim, Saulgau und Ravensburg tätig. 1887 wurde Gröber als Reichstagsabgeordneter für den Wahlbezirk Blaubeuren, 1889 als Landtagsabgeordneter für den Bezirk Riedlingen gewählt. Beiden Gremien gehörte er bis zu seinem Tode 1919 an. Als Landtagsabgeordneter gründete er 1895 in Ravensburg die Zentrumspartei, in der die Katholiken Württembergs ihre geistig-politische Orientierung fanden. Von 1917-1919 war er Vorsitzender der Zentrumsfraktion im Deutschen Reichstag.
 
Seiner Maxime „Tiefgehende uralte Gegensätze der Weltauffassung lassen sich in friedlicher Weise nur auf dem Boden der Freiheit lösen, nicht auf dem Boden des gesetzlichen Zwanges“ blieb er ein Leben lang treu. Die Grundsätze der Freiheit und Gerechtigkeit beseelten das Bewusstsein des ehelos gebliebenen Juristen und schwäbischen Demokraten, der nach den Funktionen als Landgerichtsrat und Landgerichtsdirektor schließlich 1918 Staatssekretär wurde. Er war einer der hervorragendsten Parlamentarier der Zentrumspartei.

Text: Winfried Aßfalg
Foto Vorlage: Archiv Museum