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FAQ oder häufig gestellte Fragen
rund ums Thema Flüchtlinge



Im Freundeskreis, bei der Arbeit oder auch in den Vereinen gibt es viele Fragen rund ums Thema Flüchtlinge, die sich sehr oft ähneln. Immer wieder haben die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfer mit Vorurteilen oder Gerüchten zu kämpfen, die sich hartnäckig halten. Um diesen auf den Grund zu gehen, haben sich im vergangenen Herbst drei Ehrenamtliche zusammengefunden, die gemeinsam den Gerüchten auf den Grund gegangen sind. Anja Walz, Johanna Bohner und Caroline Zuchotzki waren vielen Stunden mit der Recherche und dem Zusammenstellen von häufig gestellten Fragen (sog. FAQ) beschäftigt.  Das Ergebnis wird künftig in jedem Mitteilungsblatt präsentiert und die Gesamtliste wird in ständig aktualisierter Form auf der Homepage der Stadt eingestellt zum Nachlesen oder Blättern.

Die Fülle an Fragen, die es zu beantworten gilt, wird ständig erweitert und auch sonst wären Helfer zur Öffentlichkeitsarbeit des Freundeskreises und für viele Ideen rund um das Thema dringend gesucht. Wer also Lust hat, gelegentlich auch mal einer Frage auf den Grund zu gehen oder sonst über die Arbeit und die geflüchteten Menschen in der Stadt zu berichten oder einfach eine Anregung hat oder weitere Fragen stellen möchte, kann sich gern per Mail unter

Asyl-Oeffentlichkeitsarbeit@gmx.de melden.

Wir freuen uns und versuchen, diese möglichst schnell zu beantworten.


1.    Allgemein

Warum fliehen zur Zeit so viele Menschen?

Aufgrund vieler Krisenherde fliehen die Menschen vor Gewalt, Krieg oder Verfolgung aus ihren Heimatländern. Zur Zeit sind es rund 60 Mio. Menschen weltweit, davon die Hälfte Kinder und Jugendliche.
So kämpft beispielsweise in Syrien Alleinherrscher Baschar al-Assad mit seiner Armee gegen verschiedene bewaffnete Rebellengruppen – darunter auch den IS. Durch die Gewalt von allen Seiten werden Menschen verletzt oder getötet, verlieren ihr zu Hause, ihren Job und Familienangehörige. Um das eigene Leben zu schützen müssen viele Menschen ihre Heimat verlassen.
Aus Eritrea flüchten vor allem junge Menschen. Sie leiden unter der menschenverachtenden Diktatur von Alleinherrscher Isaias Afewerki. Nach dem Schulabschluss werden in Eritrea alle Abgänger in den Militärdienst eingezogen. Es gibt dort keine Möglichkeit, frei einen Beruf zu wählen und eine Ausbildung zu machen.

Warum kommen so viele Flüchtlinge nach Deutschland?

Europaweit werden aktuell die meisten Asylanträge in Deutschland gestellt. Weltweit allerdings befinden sich die meisten Flüchtlinge in der Türkei, Pakistan, Libanon, Iran und Äthiopien.
Deutschland wirkt durch seine Demokratie und die starke Wirtschaft, von der sich viele eine berufliche Zukunft erhoffen, attraktiv. Der Wunsch, in ein bestimmtes Land zu gelangen, hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab. Wie z.B. davon, in welchem Land sich bereits Verwandte oder Bekannte befinden. Oft entscheiden die Flüchtlinge gar nicht selbst wohin es gehen soll, da viele Schlepper feste Routen verfolgen.

Warum kommen so viele Männer alleine, wo sind deren Familien?

Aus einem Kriegsgebiet mehrere tausend Kilometer zu fliehen ist anstrengend, gefährlich und teuer. Die Familie legt ihr Geld zusammen, damit einer von ihnen für 5.000-10.000€ mit Hilfe eines Schleppers fliehen kann. Da ist aber keine komplette Flucht drin, sondern nur die Überfahrt über das Meer oder der Transport für einen Teil der Strecke. Oft laufen die Flüchtlinge zu Fuß mehrere hundert bis tausend Kilometer. Auf dem Weg trifft man nicht nur freundliche Menschen. Es muss also jemand los gehen, der körperlich und geistig stark ist, der die Strecke schafft und dann Familienangehörige nach holen kann - wen würden wir aus unserer Familie schicken? Vermutlich auch einen jungen Mann. Zudem werden junge Männer immer wieder zum Kämpfen gezwungen, was diese zur Flucht zwingt.
(https://ennolenze.de/faq-fuer-besorgte-buerger/2073/)

Aus welchen Ländern kommen die Flüchtlinge in Riedlingen?

Die Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises kommen aktuell aus  Afghanistan, Ägypten, Albanien, Gambia, Georgien, Irak, Iran, Elfenbeinküste, Kosovo, Nigeria, Russland, Serbien, Sri Lanka, Syrien, dem Togo und Pakistan.
In der Anschlussunterbringung sind  Syrer, Afghanen, Nigerianer und Kosovaren in Riedlingen untergebracht.

Welchen Glaubensrichtungen gehören sie an?

Meist sind es Muslime, Sunniten, Christen oder Jesiden.
Welche Sprachen sprechen die Flüchtlinge und wie kann ich mich ggf. mit ihnen verständigen?
Meistens kann man sich mit Englisch gut verständigen. Auch mit Deutsch, Französisch, Arabisch, Türkisch kommt man oft weiter. Und manchmal sagt ein Lächeln mehr als viele Worte.

Müssen/Dürfen Kinder und Jugendliche Flüchtlinge in die Schule/Kindergarten gehen?

Ja, Schulpflicht gilt auch für Flüchtlinge. An der Joseph-Christian-Gemeinschaftsschule gibt es hierzu spezielle Klassen mit entsprechender Förderung. Derzeit können auch alle Kinder einen Kindergarten in Riedlingen besuchen. Hierbei wird darauf geachtet, dass die Kinder auf mehrere Kindergartengruppen verteilt werden, um die Integration zu erleichtern.

Warum besitzen die meisten Flüchtlinge Handys, haben aber kein Geld zum Leben?

In den meisten Herkunftsländern ist das Festnetztelefon nicht verbreitet, daher hat das Handy einen höheren Stellenwert als z.B. in Deutschland.
Das Handy ist zudem oft die einzige Möglichkeit, Kontakt zu Angehörigen zu halten die zurückbleiben mussten, oder noch auf der Flucht sind und ist deshalb enorm wichtig. Da es in den Gemeinschaftsunterkünften keine Fernseher oder Internetanschlüsse gibt, können die Flüchtlinge übers Handy auch Nachrichten empfangen oder lernen über Internetangebote Deutsch. Außerdem ist in Zeiten von Flatrate-Tarifen das Telefonieren auch ins Ausland sehr günstig geworden, sodass es für Flüchtlinge von ihrem normalen Hilfesatz bezahlt werden kann.

Nehmen uns die Flüchtlinge die Arbeitsplätze weg?

Nein, denn sie dürfen erst nach 3 Monaten arbeiten, dann allerdings erst nach einer Vorrangprüfung, also wenn kein anderer Bewerber aus Deutschland oder der EU diese Stelle möchte.
Ansonsten gibt es die Möglichkeit, mit sog. 1€-Jobs (gemeinnützige Tätigkeit) etwas dazuzuverdienen, z.B. in  Tafelläden, dem Altersheim oder auf dem städtischen Bauhof. Diese Tätigkeiten erfolgen immer zusätzlich und entsprechende Aufgaben würde sonst entweder niemand machen oder es gäbe entsprechende Angebote nicht.
Wer als Flüchtling über das offizielle Bundeskontingent für syrische Flüchtlinge nach Deutschland kommt, erhält indes sofort eine Arbeitserlaubnis und ist auch nicht von der Vorrangprüfung betroffen.
Die Vorrangprüfung entfällt nach 15 Monaten, ab dann kann jeder Flüchtling bei entsprechender Arbeitserlaubnis durch das Ausländeramt einen Arbeitsplatz aufnehmen.

Wie verbringen die Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften ihren Tag?

Die Kinder gehen in den Kindergarten  oder in die Schule. Nachmittags machen sie Hausaufgaben in der Schule oder mit ehrenamtlichen Helfern, spielen Fußball…
Die Erwachsenen machen Deutschkurse oder lernen selbstständig deutsch ( z.B. mit Apps oder über Youtube). Einige gehen einer Ausbildung oder gemeinnützigen Arbeit nach, z.B. im Bauhof oder im Tafelladen. Es wird gekocht, gewaschen und gerne zusammen gegessen oder Tee getrunken. In der Freizeit gehen einige in den Sportverein oder zusammen spazieren, schauen gemeinsam Nachrichten, usw.

2.    Fragen zu Flüchtlingen in Riedlingen

Wie viele Flüchtlinge leben zur Zeit in Riedlingen?

In Riedlingen leben zur Zeit in den Gemeinschaftsunterkünften (vorläufige Unterbringung) insgesamt 251 Flüchtlinge (Stand Dez 15) , davon 92 Personen in der Gammertinger Straße, 49 Personen am Vogelberg, und  19 Personen in der Zollhauserstraße und andere in kleineren Unterkünften.
61 Personen sind bereits in der Anschlussunterbringung, also in Wohnungen dauerhaft in der Kernstadt durch die Stadt untergebracht (Stand Januar 2016).

Wie kann ich mit den Flüchtlingen in Kontakt treten?

Kommen Sie doch einfach freitags zum Begegnungscafé in den Räumen der Gemeinschaftsunterkunft in der Gammertinger Str. 18 (ehem. Flurbereinigungsamt, gegenüber Autohaus Gairing).
Dort kann man sich mit Flüchtlingen und Ehrenamtlichen unterhalten, gemeinsam Kaffee trinken, Spiele spielen…

Wie lange bleiben die Flüchtlinge in Riedlingen?

Sie kommen von der LEA(Landeserstaufnahmeeinrichtungen) und werden dort registriert, untersucht, werden dann mittels eines Bevölkerungsschlüssels auf die verschiedenen Stadt- und Landkreise verteilt und von dort auf die Gemeinden, wie z.B. in die Gemeinschaftsunterkünfte in Riedlingen.
Hier bleiben sie bis zum Abschluss des Asylverfahrens, jedoch längstens 2 Jahre.
Danach folgt die Zuteilung in eine Anschlussunterbringung, für die die Gemeinden zuständig sind. Hier bleiben die Flüchtlinge, bis sie eigene Wohnungen gefunden haben oder bis eine Abschiebung ansteht.

3.    Engagement

Ich möchte mich engagieren, was kann ich tun, um zu helfen?
Engagement kennt keine Grenzen. Jede Art der Hilfe, in überhaupt jedem Bereich ist gefragt und wird benötigt. Der erste Schritt fällt dabei oft schwer, aber dafür sind die folgenden umso schöner. Jeden Freitag findet beispielsweise in der Gammertinger Straße in Riedlingen ein „Begegnungscafé“ statt. Hier treffen sich Flüchtlinge, ehrenamtliche Mitarbeiter und Freunde.

Man kann sich engagieren, indem man Deutschunterricht gibt oder Sachspenden sammelt, aber wichtig ist auch das Zwischenmenschliche, gemeinsam Lachen, reden und offen sein für das Neue, das die Flüchtlinge mitbringen. Sie tragen oft eine Last, die ihnen keiner abnehmen kann. Wir können durch unser Engagement versuchen sie stark genug zu machen, damit sie diese alleine tragen können.
Sie können auch helfen, indem Sie sich für den Tafelladen engagieren. Die Helfer sind auch  dringend auf Lebensmittelspenden angewiesen, um den hohen Bedarf insbesondere an Grundnahrungsmitteln momentan zu decken.

Sie können Lebensmittelspenden direkt im Tafelladen vorbeibringen(mittwochs 10-10.30 Uhr und samstags 9.30.-10 Uhr)  oder Sie spenden einen Geldbetrag, von dem dann Lebensmittel gekauft werden können. Mehr Infos finden Sie auf

 http://www.ev-kirche-riedlingen.de/cms/startseite/soziale-dienste/tafelladen/
oder unter Tel. 07357/2107 (Frau Geisinger)

Welche Sachspenden werden gebraucht und wo kann ich sie abgeben?

Kleidung passend zur Jahreszeit, Schuhe für Erwachsene und Kinder,
Spielsachen und gut erhaltenes Geschirr können Sie bei der Riedlinger Kleiderkammer, Kirchstr. 18 abgeben (bei der Grund- und Hauptschule - Bushaltestelle 1)

Öffnungszeiten:

Mittwochs: von 16.30 Uhr - 18.00 Uhr
Und  an den jeweils darauf folgenden Freitagen: von 14.00 Uhr - 17.00 Uhr
Die nächsten Termine sind:
27. + 29.Januar 2016        
10. + 12. Februar 2016  
24. + 26.. Februar 2016 

Mehr unter  http://www.ev-kirche-riedlingen.de/cms/startseite/soziale-dienste/kleiderkammer/
Gebrauchte Möbel: Frau Rimmel von der  Stadt Riedlingen führt eine Liste, Möbel können auch abgeholt werden. Wer etwas spenden möchte, kann sich direkt bei ihr melden
Tel. 07371 183- 36

Wohnungen/Zimmer: Wer ein Zimmer vermieten kann oder gerne Wohnungen zur Verfügung stellen möchte, kann sich beim städtischen Bauamt unter 07371 183-21 melden.
Lebensmittelspenden (v.a. Grundnahrungsmittel) können direkt im Tafelladen vorbeigebracht werden(mittwochs 10-10.30 Uhr und samstags 9.30.-10 Uhr).
Tel. 07357/2107 (Frau Geisinger)

An wen kann ich mich wenden, wenn ich mich engagieren möchte?

Unter www.asyl-bc.de  sind alle Adressen der Ehrenamtlichen zu finden, die für verschiedene Bereiche zuständig sind.
Die Stadt Riedlingen organisiert gebrauchte Möbel (Fr.Rimmel  Tel.07371 183- 36) und Wohnungen/Zimmer für Flüchtlinge (Städtisches Bauamt Tel. 07371 183-21).

Die Riedlinger Kleiderkammer sammelt und verteilt gebrauchte Kleidung, Schuhe, gut erhaltenes Geschirr und Spielzeug und freut sich über Hilfskräfte und Sachspenden.
Mehr unter  http://www.ev-kirche-riedlingen.de/cms/startseite/soziale-dienste/kleiderkammer/
Der Riedlinger Tafelladen freut sich über Lebensmittelspenden und ehrenamtliche Helfer bei der Abwicklung (Frau Geisinger Tel. 07357/2107).

Wie kann ich mich gegen Vorurteile im Freundes-/Familienkreis etc. wehren? 

Grundsätzlich sollte man selbst immer gut informiert sein. Viele Gegner berufen sich auf Mundpropaganda, die sich bei näherem Hinschauen als unwahr entpuppt. Um sich ein richtiges Bild machen zu können, sollte man eine möglichst große Bandbreite an Quellen beachten. Und niemals sollte man den einzig wahrhaftig wichtigen Punkt aus den Augen verlieren, nämlich den, dass wir alle, auch ein Flüchtling, zuerst einmal Menschen sind. Wenn jeder Mensch, der fragt, warum Flüchtlingen geholfen wird, das Wort Flüchtling durch Mensch ersetzt, beantwortet sich seine Fragen eigentlich schon selbst.
http://www.proasyl.de/
http://www.institut-fuer-menschenrechte.eu/publikationen/das-asylgrundrecht/

4.    Finanzielles

Warum bekommen die Flüchtlinge Bargeld statt Sachleistungen?

Im AsylbLG(Asylbewerberleistungsgesetz) ist geregelt, dass Flüchtlinge in der vorläufigen Unterbringung, wie z.B. die Wohnheime in Riedlingen (Gemeinschaftsunterkünfte), einen Barbetrag zur Deckung  der Grundbedürfnisse erhalten. So wird es jedem ermöglicht, selbst zu bestimmen, welche Produkte er für den Lebensunterhalt kaufen möchte. Außerdem ist das Erbringen von Geldleistungen bedarfsorientierter, einfacher und somit kostengünstiger in der Verwaltung.

Bekommen Flüchtlinge mehr Leistungen als Hartz IV-Empfänger?

Nein, der Hartz IV-Regelsatz für Alleinstehende beträgt 399 € pro Person. Allerdings müssen diese Strom, Heizung, Medikamente und Möbel selbst beschaffen und bezahlen. Als angemessenen Wohnraum gilt für einen alleinstehenden Hartz IV- Empfänger eine Wohnung  mit ca. 45qm, die zusätzlich erstattet wird, für einen Flüchtling nur eine Fläche von 7qm.

Wer bezahlt die Unterbringung der Flüchtlinge?

Der Landkreis Biberach bezahlt die Unterbringung und bekommt die Kosten wiederum vom Land Baden-Württemberg erstattet.