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Sebastian Rau

Geburtshaus in Riedlingen

Erzieher, Hofmeister und Treuhänder in Wien
* 1781 Riedlingen
† 1846 Wien

„Beethoven ist nicht mehr; er verschied den 26tn März Abends zwischen 5-6 Uhr- unter dem herbsten Todeskampf und schrecklichen Leiden.“ Diesen Satz schrieb der in Riedlingen geborene Hirschwirtssohn Sebastian Rau am 28. März 1827 in Wien an seinen Freund, den jüdischen Komponisten und Pianisten Ignaz Moscheles (1794-1870) in einem Brief nach London. Rau ging damit in die Musikgeschichte ein, da er als erster schriftlich über den Tod Ludwig van Beethovens berichtete.

Nach der allgemeinen Schulzeit in Riedlingen besuchte der junge Sebastian spätestens ab 1794 die Schussenrieder Klosterschule, studierte dann von 1800 bis 1805 in Freiburg Theologie und Jura. Ab 1807 wohnte er in Wien und war Privatlehrer und Erzieher der beiden Kinder des Barons Bernhard von Eskeles, einem jüdischen Bankier und sehr einflussreichen Mann. Außerdem war er im Hause Eskeles „Hofmeister“. Daneben verwaltete Rau das von der Philharmonischen Gesellschaft London an Ludwig van Beethoven übersandte Geld treuhänderisch. In dieser Funktion besuchte er Beethoven regelmäßig in dessen Haus und berichtete seinem Freund Moscheles über Beethovens letzte Tage und das Sterben des großen Komponisten.

Sebastian Rau wurde 64 Jahre alt. Er starb in Wien am 31. Mai 1846 im Hause 253 Michaelerplatz. Der Eintrag im Sterberegister der Pfarrei St. Michael lautet: „Herr Sebastian Rau, Privatier, ledig, von Riedlingen im Königreiche Württemberg gebürtig“ starb an „Entkräftung“, versehen mit den Sterbesakramenten. Er wurde am 3. Juni auf dem Friedhof in Schönau begraben.

Foto und Text: Winfried Aßfalg