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Johann Friedrich Vollmar

Kanzel in der Stadtpfarrkirche Waldshut, 1810

Bildhauer
* 1751 Wil/St. Gallen
† 1818 Säckingen

Johann Friedrich Vollmar hatte es zu seiner Zeit sicher nicht leicht mit dem Berufswunsch, Bildhauer zu werden. Sein Vater war nämlich Scharfrichter in Riedlingen, zur Zeit der Geburt des Sohnes abgeordnet in die Dienste des St. Galler Abtes nach Wil. Nachkommen der Scharfrichter standen ebenfalls etwas außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft und konnten nicht so einfach zünftig werden, d.h. einen ehrbaren Beruf erlernen. Umso erstaunlicher ist zu berichten, was aus dem jungen Vollmar, der in Riedlingen aufwuchs, geworden ist.

Wo Vollmar sein Handwerk erlernte, ist unbekannt. Sicher hatte er aber Kontakt zu Johann Joseph Christian und dessen Sohn Franz Joseph, wenn er nicht gar an der Ausgestaltung der Stiftskirche Buchau beteiligt war und mit der hier verwendeten klassizistischen Formensprache sein späteres künstlerisches Schaffen geprägt wurde. Vollmars wichtige Arbeiten entstanden aber weit weg von seiner Heimat: in den Kantonen Aargau und Thurgau, entlang des Hochrheins, in Stühlingen und Wurmlingen. Ganze Kirchen stattete Johann Friedrich Vollmar in Alabaster aus und erreichte im späten 18. Jahrhundert mit seinem abgekühlten, frühklassizistischen Stil hohe Anerkennung. Der „berühmte Bildhauer von Riedlingen“ hatte in Riedlingen das Bürgerrecht erworben, zog 1789 nach Laufenburg um. Ab 1796 ließ er sich in Säckingen nieder, wo die aus Göffingen/Riedlingen stammende Fürstäbtissin Maria Anna von Hornstein regierte. In der aufklärerischen Zeit mit allgemein schlechter Auftragslage hatte er sich von ihr möglicherweise Arbeit erhofft.

Johann Friedrich Vollmar wurde als Künstler zum Generalunternehmer. Er arbeitete als Bildhauer, Stuckateur und Maler, als Kanzel- und Altarbauer und lieferte sogar als Architekt Risse für Kirchenbauten. In allen Tätigkeitsbereichen können bis heute beeindruckende Werke aus seiner Hand betrachtet werden.

Foto und Text: Winfried Aßfalg